
oder was soll das und wie kam es hierzu eigentlich?

…aber wissen willst, worum es hier geht. Dann habe ich zunächst dieses Statement hier für Dich:
Fotografie war für mich lange Zeit vor allem eine Möglichkeit zu entspannen und dabei die Welt um mich herum zu erkunden und einzufangen – gerade die kleinen Dinge am Wegesrand, die im Alltag oft übersehen werden, Momente, die vergänglich sind, und Details, die man sonst einfach nicht wahrnimmt. Ich bin quasi immer auf Motivsuche: unterwegs in der Stadt, bei Shootings oder an alten Fabriken und Industrieanlagen, die bald verschwinden. Auch StreetArt, Classic Cars, Luftfahrt oder Motorsport haben es mir angetan.
Heute fotografiere ich viel bewusster als früher. Das ist wohl eine Angewohnheit, die sich mehr oder weniger zwangsläufig einstellt, wenn man sich eingehender mit Fotografie beschäftigt und mehr möchte als nur Schnappschüsse zu „knipsen“. Häufig fotografiere ich dennoch ganz spontan, einfach weil der Moment passt. Licht, Perspektive, Schatten – das alles reizt mich und macht jeden Tag anders, selbst am gleichen Ort. Ich nutze gerne gutes Kamera-Equipment und tolle Objektive, aber mir geht es nie darum, das allerneueste oder beste zu haben. Die beste Kamera ist am Ende die, die du auch dabei hast und benutzt.
Bei Shootings versuche ich, den Menschen vor der Kamera so zu zeigen, wie er bzw. in meinem Fall ja meistens „sie“ ist. Mich hat ästhetisch ohne Zweifel die Ära der Supermodels Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre geprägt. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass ich einmal selbst Models vor meiner Kamera haben sollte. Dabei versuche ich Anmut, Persönlichkeit und Schönheit einzufangen. Ich bin eher kein Konzeptfotograf. Am liebsten fotografiere ich nach spontanen Ideen und gehe mit den Gegebenheiten der Location flexibel und kreativ um. Gerade bei Outdoor-Shootings sind Lichtstimmung und aktuelle Umstände ohnehin kaum sicher planbar.
Für Industrie oder Straßenfotografie gilt: Beobachten, dokumentieren, den Moment festhalten. Ich will mit meinen Fotos nicht anklagen, nicht moralisieren, nicht schockieren oder die Welt retten, sondern zeigen, was mir gefällt und auffällt. Ich bin kein Aktivist, sondern Beobachter – quasi ein Foto-Reporter oder Berichterstatter der Gegenwartsgeschichte. Hans Joachim Friedrichs (früher ARD Tagesthemen) hat einmal gesagt: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht, auch nicht mit einer guten Sache“.
Meine Bilder sollen einfach Spaß beim Anschauen machen – für mich, aber auch für andere. Sie sollen nicht erschlagen, nur ein bisschen Freude, vielleicht ein bisschen Staunen bringen und Lust machen, genauer hinzuschauen, sich zu erinnern, nachzudenken oder sogar vielleicht selbst einmal wieder richtig zu fotografieren. Fotografie ist für mich nach wie vor Entspannung, manchmal ein bisschen Therapie, und ein ernsthaftes Interesse an dem, was man mit Bildern ausdrücken kann. Ich fotografiere, weil es Spaß macht, weil es mich interessiert und weil es mir erlaubt, die Welt dabei ein kleines bisschen bewusster zu sehen. Natürlich möchte ich dabei auch immer besser werden, aber ich muss mit der Fotografie nicht mein Geld verdienen. Das Gegenteil ist der Fall: Ich gebe es dafür aus 😉
Wenn Du alles gerne etwas genauer wissen willst und mehr Text Dich nicht langweilt, dann geht es hier gleich für Dich noch weiter.
Herzlich willkommen bei Chilloutfotografie! Ich bin Martin und der Mensch hinter dieser Seite.
Bevor ich es vergesse, direkt ein kleiner Hinweis: Bereiche wie Fashion- oder Street Photography sind mehr oder weniger international. Deshalb soll diese Seite grundsätzlich auch für englischsprachige Besucher navigierbar sein. Dort, wo es ins Detail geht, bleibt es jedoch bewusst beim Deutschen – englischsprachige Fotografieseiten gibt es schließlich mehr als genug. So mag zunächst der Eindruck von etwas willkürlichem „Denglisch“ entstehen (der im Grunde schon im Domainnamen konsequent angelegt ist …), doch erscheint mir das als ein sinnvoller und praktikabler Kompromiss.
An dieser Stelle möchte ich meinen fotografischen Werdegang, meine Herangehensweise und meine Standpunkte zur Fotografie ein wenig ausführen. Vielleicht interessiert es dich ja. Falls nicht: Ab in die Galerien – und hoffentlich viel Vergnügen beim Stöbern in meinen Fotos! 🙂
Viele Interessen kamen und gingen. Die Fotografie jedoch begleitet mich seit über drei Jahrzehnten – nicht als Beruf, sondern ganz offensichtlich als Passion. Begonnen hat alles bereits zu Schulzeiten mit einer Spiegelreflexkamera aus der DDR, einer Praktica BMS. Zwar konnte ich in meiner Jugend die DDR-Grenze tatsächlich oft sehen, allerdings von der Westseite. Entsprechend erwarb ich dieses Stück deutscher Wertarbeit des real existierenden Sozialismus im örtlichen Fotoladen im südniedersächsischen „Zonenrandgebiet“.
Im Vergleich zu den japanischen Platzhirschen war die Praktica ausgesprochen preiswert. Rückblickend war es vermutlich keine schlechte Entscheidung, schon früh in eine solche Spiegelreflexkamera zu investieren. Immerhin ist so ein ernsthaftes Interesse entstanden, das mich bis heute erfreut und ständig begleitet.
In der heutigen Zeit denkt man beim Thema Fotografie schnell an Japan. Das Klischee vom ständig fotografierenden Japaner hält sich hartnäckig – und tatsächlich wird der Kameramarkt bis heute von japanischen Herstellern dominiert. Dabei wird leicht vergessen, dass Deutschland eine ausgesprochen reiche fotografische Tradition hat. Viele bis heute prägende Fotografen stammen von hier: August Sander, Albert Renger-Patzsch, Lotte Jacobi, Ellen Auerbach, Heinrich Zille, Helmut Newton, Michael Schmidt, Karl-Heinz Hargesheimer, Peter Lindbergh (wenn auch gebürtig Pole), Jürgen Teller, Vincent Peters, Wolfgang Tillmans, Arno Fischer, Sybille Bergmann sowie Bernd und Hilla Becher – und nicht zuletzt deren berühmte Schüler wie Andreas Gursky, Thomas Struth, Candida Höfer oder Thomas Ruff. Vermutlich fehlen hier sogar noch einige Namen, denn es sind schlicht zu viele. Auch wenn der historische Kontext ihrer Arbeit alles andere als unproblematisch ist, bleibt gerade im Bereich der künstlerischen Inszenierung die Liste ohne die Nennung von Leni Riefenstahl als stilistisch prägend unkomplett.
Das heute bisweilen technikskeptisch wirkende Deutschland war früher neuen Technologien gegenüber ausgesprochen aufgeschlossen. Der Industrielle Alfred Krupp erkannte bereits in den 1860er-Jahren, dass Fotografie weit mehr ist als eine technische Spielerei oder ein Mittel für Porträts. Schon 1861 gründete er eine eigene „Photographische Anstalt“ und legte damit den Grundstein für den bis heute beeindruckenden Bestand an historischen Werksfotografien.
Zahlreiche wichtige Entdeckungen und Entwicklungen der Fotografie haben ihren Ursprung in Deutschland: die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen als Grundlage späterer Filmverfahren, der fotografische Einsatz des 35-mm-Kleinbildformats, wegweisende Objektivkonstruktionen sowie wesentliche Beiträge zur Entwicklung von Spiegelreflex- und Mittelformatkameras.
Deutschland ist also ohne Zweifel ein Land mit großer fotografischer Geschichte – man kommt daran nicht so einfach vorbei. Als ich mir in den 1980ern meine Praktica aus ostdeutscher Produktion zulegte, waren die Schaufenster der Fotohändler bereits voller moderner, preiswerter Spiegelreflex- und Kompaktkameras japanischer Hersteller. Während die vom VEB Pentacon Dresden produzierten Prakticas noch den preisbewussten Massenmarkt mit etwas in die Jahre gekommener, aber robuster Technik bedienten, hatte man sich im Westen bei Leica & Co längst in Richtung hochpreisiger Premiumkameras aus der direkten Konkurrenz mit den Japanern verabschiedet.
Die japanischen Massenmarktkameras boten damals schon allerlei elektronischen Komfort: Der Film wurde per Knopfdruck von einem kleinen Elektromotor eingezogen – bei der Praktica musste ich das alles noch von Hand erledigen. Dafür lernte ich mit ihr aber auch, „richtig“ zu fotografieren. Oder sagen wir es so: In völliger Abwesenheit von Automatikprogrammen entwickelte ich zwangsläufig ein solides Verständnis für Blende, Belichtungszeit und deren Wirkung. Dass und wie ein Foto gestaltet werden will, wenn es mehr sein soll als ein Schnappschuss, war mir anfangs noch nicht ganz klar. Den Goldenen Schnitt hätte ich damals vielleicht noch für einen Modekatalog gehalten. Wie viele andere glaubte auch ich zunächst, dass vor allem eine bessere Kamera automatisch bessere Bilder macht. Die ersten verschossenen Filme hatten entsprechend noch reichlich Schnappschusscharakter. Immerhin: Schon das kleine Begleitbüchlein der Kamera erwies sich – verglichen mit heutigen Handbüchern, sofern überhaupt noch irgendetwas mit im Karton liegt – als erstaunlich hilfreicher Ratgeber in Sachen Bildgestaltung.
Ein Dauerbrennerthema der späteren Digitalfotografie lernte ich damals ebenfalls schon kennen: die ISO. Das kleine Einstellrad hatte meine Neugier geweckt, also schlug ich in der Anleitung nach, was es damit auf sich hatte. Hier zeigte sich einer der großen Vorteile dieses hochmanuellen Spiegelreflexmodells: Man lernte zwangsläufig dazu. Während sich Nutzer automatischer Kompaktkameras vielleicht manchmal über ihre im Automatikmodus entstandenen Bilder wunderten („Ist die Kamera kaputt?“), wurde mir der Zusammenhang zwischen langen Belichtungszeiten sowie verwackelten oder bewegungsunscharfen Fotos ganz automatisch klar. Und ich glaubte, die Lösung gefunden zu haben: Filme mit höherer ISO!
Aus Angst vor Verwacklern fotografierte ich also bald alles und jeden ausschließlich mit ISO-400-Filmen und entsprechend kürzeren Verschlusszeiten. Ich hielt das für ausgesprochen clever. Dass diese Entscheidung – abseits der damals üblichen 10×15- oder gar nur 8×13-cm-Abzüge – auch einen Preis hatte, nämlich deutlich körnigere Ergebnisse, wurde mir erst viel später bewusst.
Bei hochauflösenden Scans alter Negative und Dias durfte ich dann lernen, dass ich da auch ein bisschen naiv gewesen war – und dass sich bei gutem Licht durchaus auch einmal ein ISO-100-Film für deutlich kornärmere Ergebnisse angeboten hätte. Da meine Motive damals allerdings überwiegend recht… sagen wir „touristisch“ geprägt waren, lassen sich die begrenzten Ergebnisse der frühen Zeit heute ganz gut verschmerzen. Heute kann man man mit einer aktuellen Canon EOS R6 problemlos bei ISO 6400 fotografieren. Was für ein Fortschritt.
Die Praktica BMS leistete mir auch ohne den bei den Japanern bereits üblichen Autofokus gute Dienste, wurde um die Jahrtausendwende aber von einer moderneren Canon EOS mit Autofokusobjektiven abgelöst. Heute wird mir allein beim Gedanken an manuelles Fokussieren etwas mulmig. Das liegt allerdings auch daran, in welchen Größen wir Fotos inzwischen auf 4K-Monitoren betrachten – und wie schnell das berüchtigte Pixel Peeping beginnt. Wehe, der Fokus lag bei Blende 1.2 auf der Nasenspitze statt auf dem Auge! Auf den früher winzigen Papierabzügen hätte das niemand bemerkt. Ganz abgesehen davon ist für mich heute ohne Brille ohnehin jedes Foto ein bisschen unscharf 😉 Vielleicht ist das auch ein weiterer Grund, warum manuelles Fokussieren über eine Mattscheibe mit Mikroprismenring inzwischen eher zur sportlichen Herausforderung werden würde.
In der digitalen Zeit folgten einige weitere Canon-Spiegelreflexkameras. Besonders angetan hatten es mir bis zur EOS 50D lange die zweistelligen Modelle mit ihrem – für mich quasi ikonischen – Daumenrad. Sie boten einen gelungenen Kompromiss aus dezent professionellem Anspruch und gehobenem, aber noch bezahlbarem Preis. Mit wachsender Unlust, mehrere Kilo sperriger Ausrüstung durch die Gegend zu tragen (so ein 70-200mm-Objektiv war schon ein Trümmer, dann für die schwere Ausrüstung vielleicht noch das schwere Manfrotto-Stativ… Da „freuen“ sich Schulter und Nacken!), folgte 2012 jedoch ein längerer Abstecher zum damals noch recht jungen Olympus Micro Four Thirds System (MFT). Leicht, leistungsfähig und mit hochwertigen Objektiven ausgestattet, machte mir diese Ausrüstung das Fotografieren wieder angenehmer und einfach. Canon brauchte noch einige Zeit, um sich vom Spiegelkasten zu lösen und auf den Zug der spiegellosen Kameras aufzuspringen.
Erst in den 2020er-Jahren rollten die Japaner den Markt von hinten auf. Das zunächst in den Markt eingeführte spiegellose EOS-M-System hatte ich ein Glück noch übersprungen, denn ich war mit Olympus (und zwischenzeitlich parallel einer Lumix für MFT) sehr zufrieden. Für mich bot sich schließlich der Einstieg ins spiegellose Canon-EOS-R-System an – und damit die Rückkehr zu einem Hersteller, der mich fotografisch über viele Jahre begleitet hatte. Letztendlich hatte sich hier beim Autofokus gerade im Bereich Portraits, Motorsport etc. auch so viel getan, dass dieser Wechsel einen enormen Fortschritt mit sich brachte. Die Ausschussquote bewegt sich damit nahezu gegen Null.
Fotografie ist für mich ein Weg, die Welt mit dem „fotografischen Auge“ zu entdecken – und sie so zu zeigen, wie ich sie sehe. Fotografieren gehört für mich zu den sinnvollsten Beschäftigungen überhaupt, um meine Freizeit jederzeit bewusst, ruhig und mit Sinn zu verbringen. Es ist eine Möglichkeit, sich den interessanten und schönen Dingen dieser Welt zu nähern – auch jenen, die nicht laut um Aufmerksamkeit buhlen und eher ein stilles Schattendasein führen.
Viele Jahre habe ich mich mit der Kamera vor allem in und um Industrieruinen und Abbruchdörfer am Rand der Tagebaue herumgetrieben. Für viele Menschen sind Industriebrachen, Abbruchdörfer oder Tagebaulandschaften nichts weiter als Schandflecke. Für mich zeigte sich an diesen Orten jedoch immer auch eine ganz eigene Schönheit – nicht zuletzt im Verfall und im allmählichen Verschwinden. Genau das motivierte mich, diese Orte zu dokumentieren, solange es noch ging. Beispiele dafür finden sich auch in der Industrie-Galerie.
Eine alte Zeche oder ein stillgelegtes Hüttenwerk war für mich eine merkwürdige, aber hochinteressante Mischung aus Abenteuerspielplatz, Zeitkapsel, Technikdenkmal – und zugleich ein Ort, der Respekt einfordert. Respekt vor jenen Menschen, die dort einst gearbeitet haben, teils unter harten Bedingungen, und von denen einige dort ihr Leben verloren oder schwere Verletzungen erlitten. In späteren Zeiten, wenn an gleicher Stelle ein Logistikzentrum, der fünfzigtausendste Supermarkt oder der tausendste Baumarkt steht, kann sich ohne Fotografien oft kaum noch jemand daran erinnern, wie es dort früher einmal aussah.
Eine Zeit lang war das fotografische Dokumentieren dieser Industriekolosse ein regelrechter Wettlauf mit der Zeit. Es wurde immer mehr und immer schneller abgerissen. Nicht immer war es einfach – oder überhaupt möglich –, vorher noch Zugang zu bekommen. Irgendwann jedoch kam dieses Thema fast vollständig zum Erliegen. Nach der Schließung der letzten Steinkohlenzeche in Deutschland im Jahr 2018 war im Grunde alles innerhalb weniger Jahre verschwunden, was nicht bereits getilgt oder museal erhalten bzw. einer Nachnutzung zugeführt wurde.
Die Erkundungen der Tagebaue im rheinischen Revier und fotografische Streifzüge durch die Umsiedlungsdörfer ersetzten eine Zeit lang die Fotografie der verschwundenen Zechen und Hütten als Schwerpunkt. Mittlerweile sind die Umsiedlungen jedoch gestoppt, und durch zahlreiche – teils spektakuläre – illegale Aktionen in den Tagebauen im Zuge von Protesten ist es heute deutlich schwieriger oder aufgrund drohender Strafen schlicht nicht mehr empfehlenswert, sich nah am Tagebaurand aufzuhalten.
Früher war das kein großes Problem. Rückblickend wirkt es sogar fast schon erstaunlich, wie sorglos bei Sonntagsausflügen ganze Familien direkt an der instabilen Abbruchkante standen, um einen Blick „ins Loch“, die riesigen Bagger und ihr Werk werfen zu können. Heute kommt das durch Kameraüberwachung, Einfriedungen, Schranken und eine beeindruckende Dichte an Verbotsschildern kaum noch vor. Aber so ist das eben – und zwang auch mich dazu, mir wieder neue Motive zu suchen.
Heute treibt mich vor allem die Straßenfotografie spontan vor die Tür – oder ein geplantes Fotoshooting mit einem Model, eine Motorsportveranstaltung oder eine Flugshow.
Auch wenn man allein unterwegs ist, fühlt man sich mit einer Kamera in der Hand eigentlich nie wirklich verloren. Und das nicht nur deshalb, weil man mit einer professionell anmutenden Kamera überdurchschnittlich häufig für fotografisch kompetent gehalten wird und von Touristen gebeten wird, sie mit ihrem eigenen Handy vor dem Wunschhintergrund abzulichten. Mit einer Kamera hat man immer eine Aufgabe, einen guten Grund, genau dort zu sein – und ein klares Ziel vor Augen: das nächste Motiv entdecken.
Die so entstehenden Fotos zeigen die Welt bewusst oder unbewusst subjektiv. Vielleicht liegt meine Vorliebe für die Fotografie auch schlicht daran, dass ich – wie so viele andere Fotografen – keinerlei Talent dafür besitze, Vergleichbares zu zeichnen. Die Kamera gleicht da so einiges aus.
Eine Begeisterung für schöne und schnelle Autos sowie Flugzeuge würde man vermutlich mindestens jedem zweiten Mann einfach so unterstellen. Ich denke, ich brauche an dieser Stelle also dazu gar nicht groß erklären, worin bei diesen Motiven der besondere Reiz liegt. Wenn Du auch ein Faible dafür hast, kannst Du Dich ja einmal in meiner Motorsport-Galerie, meiner Classic-Car-Galerie oder meiner Flugzeug-Galerie umsehen.
Wie berichtet, kam meine einstige fotografische Heimat in der Industriefotografie bis in die 2010er Jahre bereits stark unter die Räder. Die einst gern aufgesuchten Zechen und Hütten schieden als fotografische Abenteuerspielplätze für meine Motivsuche immer häufiger aus.
Fotografisch hat mir das letztendlich aber auch geholfen. Während die Fotografie von industriellen Relikten mein fotografisches Auge schulte, konnte und wollte ich es nun gezwungenermaßen viel übergreifender einsetzen. Denn eins war klar: Auch wenn die Zechen und Hüttenwerke weggbaggert und weggesprengt wurden, wollte ich unbedingt weiter fotografieren. Ich musste also viel breiter an das Thema herangehen, ohne in meine rein touristische Schnappschuss-Ära der 1990er zurückzufallen.
2007 fing ich also auch mit der People Fotografie an, ganz typisch im Rahmen von Workshops. Was ich seitdem in diesem Bereich auf die Speicherkarte gebannt habe, kannst Du in meiner „Female Grace & Fashion„-Galerie begutachten. Neben schönen Dingen und Menschen, zieht mich sonst vor allem Technik (Automobile, Flugzeuge), Stadtlandschaften/Stadtleben, das Temporäre und das Vergängliche in seinen Bann.
Mich fasziniert insgesamt oft weniger das zeitlos Perfekte, sondern vielmehr das, was sich wandelt, was verschwindet, oft bevor man es überhaupt richtig wahrgenommen hat. Vor allem das vom Menschen Geschaffene und Bespielte weckt immer noch meine besondere Aufmerksamkeit: Orte, Spuren, Geschichten.
Vieles entsteht, vergeht, verändert sich – und genau darin liegt für mich immer noch eine der größten Triebfedern meiner Fotografie. Oft geht es mir gar nicht um das, was jetzt ist, sondern darum, festzuhalten, was bald – vielleicht schon im nächsten Augenblick – verloren sein könnte. Ob Architektur, zufällige Begegnungen, das Lichtspiel in einer Stadtlandschaft, Zeitgeist, Street Art oder der Charme des Verfalls: Ich suche diese flüchtigen Momente und versuche, sie gewissermaßen unvergänglich zu machen. In dieser Möglichkeit, dem Vergehen etwas entgegenzusetzen, liegt für mich der besondere Zauber der Fotografie. Beispiele für oft flüchtige StreetArt findest Du z. B. in meiner Urban-Canvas-Galerie. Das zu erklären ist alles relativ einfach. Komplizierter und komplexer wird es häufiger ausgerechnet bei der Fotografie von unserer eigenen Spezies: Den Menschen.
Der schöne Schein und das Äußere: Oberflächlich soll es sein. Gerade auch, wenn es um schöne Menschen geht. Doch ist das so? Eine klassische Vorstellung, Schönheit einfach unkritisch als etwas positives zu sehen, hat heute für manche vielleicht fast schon ein negatives, diskriminierendes Image. Neben vielen positiven Reaktionen gibt es zumindest auch immer wieder welche, die man vielleicht als ein bisschen „biestig“ beschreiben könnte, die vor allem aber – wie bei vielen moralisch aufgeladenen Themen – mit einer Haltung und vermeintlich absoluten Wahrheiten daher kommen.
Die Frage, die sich vielleicht aufdrängt, könnte lauten: „Du schreibst von schönen Menschen, aber zeigst hier nur Frauen, gibt es denn keine schönen Männer?“ Man möge es mir bitte gnädigst nachsehen: Für mich, als das was man heute „cis-Mann“ nennt, sind schöne Menschen eben schon quasi immer vor allem Frauen. Spätestens als Jugendlichem, also einem Altersabschnitt, in dem auch irgendwann dem letzten klar wurde, dass Mädchen nicht nur zum Kneifen und Haare ziehen gut sind, begann der Blick auf das andere Geschlecht eine gewisse Faszination mit sich zu bringen. Die Ära der Supermodels der 80er und 90er Jahre (Cindy Crawford, Christy Turlington, Helena Christensen, Tyra Banks, Elle Macpershon…) und der damalige Stil sie in Szene zu setzen, haben mich ohne Zweifel stark geprägt.
Auch wenn die Zeiten und der Zeitgeist sich wie die Schönheitsideale ständig im Wandel befinden, hat für mich die Sache mit dem „schönen Geschlecht“ auch heute überhaupt nichts von ihrer Relevanz verloren. Und das meine ich im positivsten, respektvollsten und durchaus auch im absolut gleichberechtigten, wertschätzenden Sinne. Feminismus und Feminität sind kein Widerspruch. Femininität ist kein Problem – Zwang zur Femininität wäre ein Problem. Ich zwinge niemanden zu gar nichts und arbeite nur mit Models, die sich aus freien Stücken so vor die Kamera begeben, wie sie das für sich für richtig halten.
Doch ist es heute überhaupt noch ok, ganz bewusst vor allem (subjektiv) schöne Menschen zu fotografieren oder ist das heutzutage nicht schon diskriminierend? Ich mag da nicht Rumeiern und Rumschwurbeln. Ich fotografiere einfach gerne Menschen, die ich schön, ästhetisch und interessant finde. Wer oder was das ist, liegt ja bekanntlich auch immer im Auge des Betrachters.
Das Streben nach oder das Bewundern von Schönheit ist grundsätzlich offenbar ja auch ur-natürlich. Selbst den Einsatz von Hilfsmitteln, um Schönheit zu verstärken, hat nicht der Mensch erfunden. Viele Tiere in der freien Natur unternehmen bewusst Dinge, um schöner oder attraktiver zu wirken als sie eigentlich sind. Einige Vögel schmücken sich mit fremden Federn. Manche Krabben dekorieren ihren Panzer mit Muscheln. Andere Tiere wechseln gar ihre Farbe. Die Wirkung, Bedeutung und Legitimation von Schönheit einfach moralisch für problematisch oder falsch zu erklären, könnte also durchaus auch bedeuten, sich komplett gegen die Natur richten zu wollen. Wir werden sehen, wohin der Zeitgeist, der scheinbar für jede Lösung das passende Problem findet, uns bei diesem Thema noch führt.
Ohne Zweifel nimmt die Fotografie (immer subjektiv) als schön empfundener Menschen hier auf der Seite neben anderen fotografischen Themen prominenten Raum ein. Auf meinem Instagram Account ist sie sogar so ziemlich das Einzige, was Follower offenbar vornehmlich interessiert. Andere Themen erhalten weit weniger Zuspruch. Der eher stille Foto-Konsum der Allgemeinheit spricht jedenfalls eine deutliche Sprache. Wie so oft konsumiert eine schweigende Mehrheit problemlos. Das als gut und „normal“ Empfundene wird nicht problematisiert.
Es geht auch mir hier nicht darum, auf Schönheit und Äußerlichkeiten zu reduzieren. Das Konzept des „auf Schönheit reduzierens“, habe ich allerdings ohnehin nie verstanden. Wen hören wir denn gerne singen? Die Person, die keinen Ton trifft oder die mit der schönen Stimme? Doch kein Sänger und keine Sängerin reduziert sich auf ihren schönen Gesang und sie werden auch nicht darauf reduziert. Auch ist niemand eifersüchtig, wenn man lieber einem lieblich singenden Pop-Sternchen bei Spotify lauscht, als der unter der Dusche schief singenden Partnerin. Schönes Aussehen ist genauso eine Gabe der Natur, von der manche eben etwas mehr und manche etwas weniger mit auf ihren Weg bekommen haben. Nicht zuletzt ist diese Beurteilung dann auch noch rein subjektiv und fällt unterschiedlich aus.
Wer oder was reduziert also eigentlich auf Schönheit? Ist es nicht oft eher eigene Unsicherheit, die Abwertung, Neid und/oder Eifersucht nach sich zieht? Viele Models studieren, sind gut ausgebildet, haben ehrbare Berufe ergriffen, akademische Abschlüsse und bewegen sich tatsächlich weit jenseits eindimensionaler Klischees. Vielleicht liegt der Unterschied beim Umgang mit natürlichen Anlagen auch eher an zwei Dingen: Dieser Unterschied ist sofort offensichtlich und unübersehbar. Und wir können bei der Schönheit, im Gegensatz zu Rechenkunst oder Sprachbegabung, bis zu einem gewissen Grad künstlich nachhelfen – mit Kleidung, Kosmetik, Spritzen oder Chirurgie. Wer dafür das Geld hat und das nutzt, macht sich vermeintlich verdächtig, etwas besseres sein zu wollen und das fordert vielleicht heraus, ihn oder sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu zerren. Aus der Masse irgendwie herausstechen und sich nach oben abheben zu wollen, ist nicht so gerne gesehen. Mich interessiert das alles wenig. Ich genieße einfach Schönheit wo ich sie sehe. Schönheit ist für mich angenehm, egal ob sie sich in einem Ausblick, einem Kunstwerk, einem anmutigen Tier, der Form eines Sportwagens oder eben einem menschlichen Antlitz zeigt.
Dass Schönheit vergänglich ist, sollte dem einen oder anderen doch auch Trost genug sein. Da bin ich dann wohl selbst in diesem Foto-Genre wieder beim mich offenbar stets in irgendeiner Form bewegenden Thema des fotografischen Festhaltens von Vergänglichem angekommen.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich auch einmal einen unheimlich interessanten Mann mit markanten Gesichtszügen fotografieren möchte. Doch bisher weckten diesen Wunsch fast ausschließlich Frauen. Wahrscheinlich trägt meine Präferenz in Richtung Ästhetik ihren Teil dazu bei. Ich nehme mir oft vor mutiger zu fotografieren. Extremere Perspektiven und Ausschnitte, mehr Risiko beim Licht… Doch am Ende schieße ich viel öfter die ästhetischeren Fotos und nicht die mutigen. Vielleicht ist das nicht für jeden so spannend. Aber anscheinend ist die Inszenierung von Ästhetik eben einfach eher mein Ding.
Es wird letztlich nach meiner Ansicht schon immer bewundernde Gründe gehabt haben, dass vor allem die Frau und ihre Erscheinung in so vielen Gemälden, Gedichten und Songs großer Meister über alle Maßen und Epochen gepriesen wurde und wird. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Frauen vor meiner Kamera fast immer sehr selbstbewusste Frauen waren, die sehr genau wussten was sie wollen oder nicht wollen und die mit beiden Beinen im Leben ihre Frau standen. Um Reduzierung, Objektifizierung usw. geht es einfach überhaupt nicht.
Apropos „große Meister“. Ich bin kein großer Meister. Was ich hier mache, hilft mir vielleicht, mich bei einem Shooting ein paar Stunden ein kleines bisschen wie Helmut Newton zu fühlen. Realistisch betrachtet kann ich wohl ganz passabel fotografieren und weiß durch Übung ein bisschen was darüber, was ich da eigentlich mache. Der Rest bleibt ein stetiger Weg zu einem Ziel, das ich womöglich nie erreichen werde. Aber das macht nichts. Manchmal ist bekanntlich der Weg das Ziel und bei Dingen, die einem Spaß machen, gilt das ganz sicher in besonderer Weise.
Was mich heute in meiner Herangehensweise und fotografischen Reise vielleicht mit Fotografen wie Helmut Newton verbindet, ist, dass ich kein Konzeptfotograf bin. In der akademischen, zeitgenössischen Fotokunst begegnet man diesem Ansatz jedoch recht häufig. Dabei steht die Idee oder das konkrete Konzept in der Regel bereits lange vor dem eigentlichen Bild fest und entsteht nicht spontan unmittelbar während des Fotografierens. Das Foto ist dann gewissermaßen „nur noch“ die Ausführung eines Wochen oder Monate zuvor formulierten Gedankens. Sicherlich ist das bei sehr aufwendigen Inszenierungen auch notwendig.
Entsprechend wird man heute häufig nach solchen Konzepten gefragt, nach Moodboards oder detaillierten Vorabüberlegungen. Das ist auch keine falsche Herangehensweise. Doch ich tue mich damit schwer und mag dieses Vorgehen als eher intuitiver und spontaner Mensch persönlich nicht besonders. Gerade bei der Fotografie draußen sind Atmosphäre und Lichtstimmung oft nicht planbar, und man muss spontan mit den Gegebenheiten arbeiten, die man vorfindet. Diese Herausforderung liegt mir deutlich mehr, als etwas im Shooting lediglich noch handwerklich umzusetzen, das bereits lange im Voraus geplant wurde.
Die kurze Antwort vorweg: Ja. Und ja!
Doch der Reihe nach! Ich habe bereits einiges zur Fotografie weiblicher Models geschrieben, doch ein Aspekt wird dabei oft besonders argwöhnisch betrachtet: freizügigere Bilder. Es war eigentlich nie mein Ziel mich auf diesem Gebiet zu betätigen. Fashion-Fotos und Portrait stellten mich absolut zufrieden. Man hat ja auch so eine gewisse Scheu vor weiterem. Doch im September 2008 besuchte ich in Köln einen Studio-Workshop bei einem professionellen Fotografen. Auch Aktfotos waren dort Bestandteil des Programms.
Schnell wurde mir klar: Es gab unter den Teilnehmern (mindestens) zwei Gruppen von Fotografen auf diesem Gebiet: Die die mal eine junge Frau nackt sehen wollen und dabei ein paar künstlerisch eher weniger wertvolle Schnappschüsse machen. Und dann gibt es die, denen es um die Fotokunst und die ästhetische Darstellung geht. Letztere Gruppe war deutlich in der Mehrheit und pflegte auch einen stark fotografisch geprägten Austausch, sowohl untereinander als auch mit den anwesenden Models. Das fühlte sich alles erstaunlich normal und unaufgeregt an. Es war plötzlich das normalste der Welt und es machte Spaß. Also warum sollte ich in diesem Bereich nicht weiterhin etwas machen? Weil irgendjemand etwas denken könnte? Zunehmendes Lebensalter hat ab einem gewissen Punkt nicht mehr so viele Vorteile. Den, dass einem das egaler wird allerdings schon. Die Leute denken sowieso immer irgendetwas.
Auch wenn ganz klassische Aktfotografie mir im Grunde etwas zu streng und deshalb nicht mein Schwerpunkt ist, kann es bei Shootings on Location – nach klarer vorheriger Absprache – reizvoll sein, die damit verbundenen Freiheiten zu nutzen. Wer liegt denn beispielsweise in Straßenklamotten im Bett und würde das authentisch wirken? Solche und andere Sets können in Studios, Lofts und bei Home Shootings aber eingebaut werden. Dann gilt es, sie mit einer authentischen Darstellung fotografisch zu nutzen. Eine gewisse Freizügigkeit drängt sich hier oder auch an einem Pool etc. quasi natürlich eher auf als ein Wintermantel. Wichtig ist mir aber: Es gehört sich absolut nicht, ein Shooting unter falschen Voraussetzungen zu beginnen oder jemanden in eine Richtung zu drängen. Jede Person bestimmt selbst, was sie fotografisch zeigen möchte und das ist vorher klar und bleibt auch so. Nichts ist besser oder schlechter als etwas anderes.
Wenn Freizügigkeit einvernehmlich Bildinhalt wird: Was spricht eigentlich dagegen? Wir leben im 21. Jahrhundert in einem liberalen, freien Teil der Welt. Wir werden komplett textilfrei geboren, und zu Hause bewegen wir uns meist mit deutlich weniger Textil als draußen. In der Fotografie spricht man hier am ehesten von Lifestyle Nude oder Art Nude – gedacht nicht als erotische Fotografie, sondern als künstlerische, unaufgeregte Darstellung von etwas Alltäglichem. Die Grenzen sind natürlich oft fließend, aber die Intention ist entscheidend.
Trotz jahrzehntelanger Abkehr von streng religiös geprägter Moralvorstellungen haftet der Abbildung von Nacktheit für manche noch immer etwas Anrüchiges an. Gleichzeitig sind nackte Körper in Werbung, Serien und Filmen allgegenwärtig – oft sexualisiert, oft mit hochdekorierten Darstellerinnen und Darstellern. Dagegen wirken viele Fotografiewebsites geradezu harmlos und trotzdem wird es da eher Thema.
Ein Aspekt ist auch der davon geprägte Jugendschutz. Zwar geht hier, anders als in den USA, offenbar niemand davon aus, dass die Sichtbarkeit eines „Nippels“ zur Explosion des Betrachters führt. Jedoch sind manche Formulierungen schwammig, weshalb man sich vorsichtshalber im öffentlichen Zeigen eher zurückhält bzw. auf Plattformen beschränkt, die Jugendschutzeinrichtungen vorhalten. Auch das fördert allerdings den Eindruck, es hier mit etwas „Schmuddeligem“ zu tun zu haben, was sehr schade ist. An dieser Stelle gibt es also nur zu sehen, was ich vor diesem Hintergrund vertreten kann.
Gesellschaftlich wirkt es sogar so, als habe sich der Umgang mit Körperlichkeit wieder verengt. In den 1990ern war Freizügigkeit – man denke nur an die Love Parade – selbstverständlich und kein Drama. Heute taucht wieder häufiger die Frage auf: Was sollen die Leute denken? Religiöse oder sehr konservative Prägungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie persönliche Unsicherheit, Eifersucht oder mangelndes Selbstbewusstsein. Nach liberalem Verständnis vor dem Hintergrund jahrhundertelanger Aufklärung und Säkularisierung in Europa gibt es jedoch keinen vernünftigen Grund, bestimmte menschliche Körperteile per se zu tabuisieren.
Besonders auffällig wird der Argwohn mancher, wenn ein Mann in einer Partnerschaft Frauen fotografiert. Schnell wird unterstellt, das müsse problematisch sein – selbst dann, wenn die eigene Partnerin kein Problem damit hat. Dabei wird niemand ernsthaft fragen, ob Fotografen wie Helmut Newton oder Peter Lindbergh deshalb auf Beziehungen hätten verzichten sollen. Müssen Gynäkologen sich komische Vorurteile oder Fragen gefallen lassen? Immerhin legen sie sogar Hand an. Eine gewisse Lockerheit, Vertrauen und Selbstbewusstsein sind hier insgesamt wohl entscheidender als moralische Empörung.
Für mich ist der menschliche – besonders der weibliche – Körper etwas Selbstverständliches und Schönes. Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Künstler mit der Darstellung von Weiblichkeit und dem Wandel von Schönheitsidealen. Ich fotografiere Menschen, die ich als schön empfinde, und versuche, sie respektvoll und authentisch zu zeigen. Ein bewusster Fokus auf Erotik oder Provokation interessiert mich dabei nicht, auch wenn ich nicht beeinflussen kann, wie die eine oder andere Darstellung auf den Betrachter individuell wirkt. Mich reizt oft viel mehr die natürliche, ruhige, nahbare aber durchaus auch attraktive Darstellung. Aber natürlich kann es je nach Model, Setting und Tagesform Ausschläge und Ausflüge in verschiedenste Richtungen geben und das ist dann auch in Ordnung so.
Zentral sind dabei Respekt, Vertrauen und Freiwilligkeit. Jedes Shooting basiert darauf. Fotografisch geht es für mich um Licht, Bildaufbau, Atmosphäre und die nächste Idee – nicht um das, was Außenstehende hineininterpretieren. Der Argwohn entsteht vielleicht auch oft aus falschen Vorstellungen darüber, was bei einem Shooting tatsächlich passiert. Fotograf und Model arbeiten konzentriert und sachlich, auch wenn das Ergebnis später etwas anderes suggerieren mag. In gewisser Weise entkoppelt den Fotografen der konzentrierte Blick durch den Sucher ohnehin oft auch ein wenig von der Situation und dem was vor der Kamera stattfindet.
Jede Aufnahme behandle ich mit Respekt. Wer sich fotografieren lässt, zeigt sich verletzlich. Ungefragtes Fotografieren beim Umziehen oder das Veröffentlichen unvorteilhafter Bilder lehne ich strikt ab. Retusche dient der technischen Feinheit, der Korrektur von „Streuhaaren“, dem einen oder anderen Pickelchen, technisch entstehenden unvorteilhaften Wirkungen und nicht der Erschaffung unrealistischer Ideale.
Am Ende bleibt für mich die Überzeugung: Weder die attraktive Darstellung von Äußerlichkeiten, noch freizügige Fotografie sind unanständig, problematisch oder sexistisch. Sie werden hier und da vielleicht von Einzelnen aufgrund von Vorurteilen, falschen Vorstellungen und konservativen Einstellungen problematisiert, auch weil Unsicherheit, Eifersucht oder ideologische/weltanschauliche Enge individuell dazu beitragen. Ich plädiere dafür, meine Fotografie (ob es nun um die Ausübung oder die Ergebnisse geht) als das zu sehen was sie ist: eine freie, ästhetische und respektvolle Form des Ausdrucks und der Kunst ohne irgendeine negative Absicht oder Intention.
Eins ist klar: Du kannst nicht jeden Tag ein Shooting haben oder irgendeine ganz tolle Location besuchen, um dich fotografisch zu betätigen – und Fotografie ist auch für mich viel mehr aber auch viel alltäglicher als das.
Meine Kamera ist in vielerlei Hinsicht ein Werkzeug der alltäglichen Begegnung. Sie erlaubt mir, die Welt immer und überall zu entdecken und Ansichten und Augenblicke mit Respekt und Feingefühl für andere sichtbar zu machen. Ich fürchte, dass mir das nicht immer so gelingt wie ich es gerne hätte. Aber ich versuche es und vor allem auch immer ein bisschen besser darin zu werden. Jeder fotografische Weg erscheint mir eine ewige Reise beim Streben nach Verbesserung. Dem nicht ganz zuträglich ist, dass anscheinend viele Menschen die Fotos der anderen immer etwas besser einschätzen als ihre eigenen. Vielleicht ist das auch so. Öfter ist es vielleicht auch ein Phänomen, das man Sozialen Medien gerne zuschreibt: Vergleich macht unzufrieden.
Aber natürlich stimmt es: Es gibt welche, die besser sind. Immer. Überall. Doch das sollte niemanden aufhalten, seinen fotografischen Weg zu gehen und auf dem Weg zu besseren Bildern zwischendurch auch einmal zufrieden zu sein. Die Besseren sollte man sich immer genau anschauen und sich fragen, was genau macht der/die besser als ich? Wie schaffe ich das auch? Doch am Ende macht man das hoffentlich alles zunächst mal für sich selbst, jedenfalls solange man kein Geld damit verdienen muss.
Ein schönes Feld, gerade für das spontane Fotografieren, ist die „Street Photography“. Beispiele meiner Straßenfotografie findest Du in der „Traces in the City“-Galerie. Anfangs als „Beifang“ hat sich die Fotografie von StreetArt quasi nebenbei noch zu einem eigenen Thema entwickelt. Manchmal ist der Übergang fließend.
Für Street Photography – oder auf Deutsch: Straßenfotografie – ist Deutschland vielleicht nicht der ideale Ort. Viele ikonische Bilder dieses Genres stammen aus Ländern und von Fotografen, die mit deutlich weniger restriktiven Persönlichkeits- und Datenschutzgesetzen arbeiten konnten. Auch gesellschaftlich reagieren Menschen hierzulande auf Fotografen im öffentlichen Raum oft zunächst zurückhaltender als in Ländern, in denen man mit solchen Themen wesentlich entspannter umgeht. Aber: Es könnte durchaus schlimmer sein.
Über die Zukunft der Straßenfotografie wurde insbesondere im Zuge neuer EU-Datenschutzverordnungen heftig diskutiert. Viel Aufregung, viele Befürchtungen – tatsächlich hat sich rechtlich jedoch weniger geändert, als man vermuten könnte. Das bereits zuvor maßgebliche Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) gilt weiterhin. Dennoch ist die Datenschutzsensibilität in Deutschland eine ganz besondere. Mitunter entsteht der Eindruck, man wolle das Recht am eigenen Bild am liebsten auch auf Autokennzeichen oder Häuserfassaden ausdehnen, die von der öffentlichen Straße aus sichtbar sind.
Für die Straßenfotografie sind vor allem Regelungen wie die Panoramafreiheit relevant. Während es in angelsächsischen Ländern (USA, UK, Kanada) im öffentlichen Raum grundsätzlich erlaubt ist, Passanten auch als Hauptmotiv zu fotografieren und die Bilder zu veröffentlichen, gelten hierzulande engere Grenzen. Dennoch sind Menschen auf Fotos auch in Deutschland keineswegs verboten – solange sie im öffentlichen Raum lediglich „mit“ abgebildet werden und nicht das eigentliche Hauptmotiv darstellen. In der Regel spricht man dann von sogenanntem „Beiwerk“. Natürlich bewegt man sich dabei in gewissen Grauzonen, denn darüber, was noch als Beiwerk gilt, gehen die Meinungen bisweilen auseinander.
Auch wenn die rechtliche Lage Fotografen im öffentlichen Raum durchaus weiterhin Freiheiten einräumt, kommt es gelegentlich zu Reibereien, wenn Personen vermuten, sie könnten auf einem Foto zu sehen sein. Nicht selten wird dann mit großer Überzeugung erklärt, das sei heutzutage schließlich verboten. Ist es nicht. Dennoch lohnen sich solche Diskussionen meist nicht. Um des lieben Friedens willen ist es oft entspannter, ein Bild im Zweifel einfach zu löschen – selbst wenn das aus rechtlicher Sicht gar nicht nötig wäre. Wer Fotografie auch als Ausgleich und zur Entspannung betreibt, fährt damit meist besser.
Man sollte die Problematik allerdings auch nicht überbewerten. Deutlich häufiger erlebe ich das Gegenteil: Menschen, die ganz bewusst mit auf das Foto möchten. Oft sind es junge Leute, Künstler im öffentlichen Raum – etwa Straßenmusiker – und gar nicht so selten auch erstaunlich entspannte ältere Menschen.
Ein Zweck der Fotografie im öffentlichen Raum, den viele argwöhnische Zeitgenossen nur schwer nachvollziehen können, ist der Dokumentarische. Wenn man sich keine positiven Gründe vorstellen kann, liegen offenbar negative Schlüsse besonders nahe. Wer einfach so öffentlich fotografiert, führt dann vermeintlich Böses im Schilde. Der eigentliche Wert gerade solcher Alltagsaufnahmen erschließt sich den meisten Menschen unbewusst erst mit zeitlichem Abstand.
Fotos unserer alltäglichen Umgebung – heute vielleicht noch vielen „zu gewöhnlich“ für ein ohne böse Absichten geschossenes Foto – werden morgen zu spannenden Zeitzeugen, zu kleinen Fenstern in die Vergangenheit. Irgendwann heißt es dann: „Oh, weißt du noch, damals, als dort noch … war und wir …?“ oder „Ja, erinnerst du dich, als es dort noch … gab?“ Diese Erinnerungen wird es später schlicht nicht geben, wenn sie heute nicht fotografiert werden.
Orte verschwinden. Schönheit verschwindet. Menschen verschwinden. Fotos bleiben.
Aber: Jemand muss sie machen. Wir müssen sie machen. Und am besten macht man sie anständig. KI macht keine echten Fotos, und Handy-Kameras liefern – jenseits des kleinen Displays betrachtet – leider oft immer noch erschreckend schwache Ergebnisse. Also: Warum schnappst auch du dir nicht mal wieder eine richtige Kamera? Oder kauf dir günstig eine – und geh ganz bewusst fotografieren. 😉
Ich muss von der Fotografie nicht leben und fotografiere aus Lust und Laune, mit dem Herzen bei der Sache. Wichtig ist mir dabei, dass sich alle Beteiligten – vor wie hinter der Kamera – wohlfühlen. Fotografie ist für mich auch ein Ort der Ruhe. Deshalb heißt das hier „chilloutfotografie“. Es gibt keinen Druck. Ein fotografischer Streifzug durch die Stadt ist für mich immer auch ein kleiner Urlaub zwischendurch.
Natürlich bin ich nach einem Shooting dennoch gespannt auf die Durchsicht der Ergebnisse. Das kleine Kameradisplay vermittelt keine echte Sicherheit, ob alles so geworden ist, wie man es sich vorgestellt hat. Nichts wäre enttäuschender, als wenn das im Kopf entstandene Bild nicht mit dem tatsächlich entstandenen übereinstimmt. Die erste Ansicht zu Hause sorgt für Klarheit – und lässt diese Spannung schnell abfallen. Und manchmal, mit etwas Glück, ist sie sogar eine kleine Offenbarung.
Meine persönlichen Lieblingsfotos versuche ich hier auf dieser Seite zu zeigen. Denn Bilder, die mit viel Hingabe entstehen und dann ungesehen auf Festplatten verstauben, machen mich – bei mir selbst wie auch bei anderen – irgendwie traurig. Lasst sie uns lieber als kollektives Gedächtnis sichtbar machen.
Wenn du nun noch mehr über meine Fotografie erfahren möchtest, empfehle ich dir einen Streifzug durch die Fotogalerien auf dieser Seite.